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Wer

Patte – Voc.
Kid G. – Git.
Joe – Bass
Günther – Drums

Ansonsten:
Graui – Synth

Wann

1987 – 1988

Wo

Fürth

Attack

Le Volksbüro beginnt mit einem Bombenangriff. Im Sommer 1987, nach dem Terroranschlag auf die Berliner Diskothek „La Belle“ schicken die USA 33 Kampfflugzeuge nach Libyen, um Diktator Muammar El-Khaddafi auszuschalten.  Kid G. (guitars, drumcomputer) und Patte (vocals) sind gerade auf Besuch in Bremen. Sie  beschliessen, den Soundtrack zur Weltlage zu schreiben und benennen sich nach den diplomatischen Vertretungen Libyens, den Volksbüros.

Das Projekt

Die ersten Songs entstehen auf einem Fostex 4-Spur-Recorder und sind noch schwer beeinflusst vom düsteren Industrial Sound von SPK: Mit Kompositionen wie „33 Bombers for Ghaddafi“ und „Leaders (Concentration Camp)“ konzentrieren sich die Le Volksbüro-Gründer erst mal auf  Polit-Noise. Aber schon bald reicht das nicht mehr. Mit „Me and my bottle“, „Baldrian Cat“ – mit Sade (der Katze von Kid G.) am Synthesizer, und „The Cockroach“, einer extremistischen Coverversion des Latino-Klassikers „La Cucaracha“,  wird Bewusstseinserweiterung das zweite grosse Thema von Le Volksbüro. Zugleich werden einige Songs melodischer – Zeit, eine Band zu gründen.

Die Band

Die neuen Songs klingen mehr nach den Butthole Surfers: Kid G. und Patte holen Basser Joe („Doc Wör Mirran“) und Günther (drums) dazu, um im Übungsraum von „Schweiger Hinten“ die Politics & Drugs-Songs „Reefer Club“, „Flanged Brain“ und „Independent Doc“ aufzunehmen. Auch „TV Victim“ und „Toxic Boy“,  ein klassischer Speedpunk-Song (und der erste Punksong über AIDS) kommen dazu. Langsam wird es richtig erfolgreich: „Reefer Club“ wird auf dem Empty-Records-Sampler „Nuremberga in Vertebris“ veröffentlicht und  läuft im Vorprogramm von Savage Republic. Das wird sogar in den USA gehört: San Franciscos Punk-Magazin „Maximum Rock ´n`Roll“ findet zwar die psychedelische Gitarre okay, bemängelten aber „lousy lyrics“.

Der Höhepunkt

Mit „In A.„. einem Drogentrip in die Stadt Amsterdam,  sind LeVolksbüro auf der absoluten Höhe ihres Sounds.  Sie holen den Synthesizer-Experten der Wachendorfer Kultband Space Junk dazu,  um das Tape “It`s a Hammondorgel Party“ (Empty Records) aufzunehmen.

Das Neujahrskonzert

An Silvester/Neujahr 1987/88  spielen Le Volksbüro mit Schweiger Hinten in einem  Jugendzentrum in Fürth. Es wird ihr bestes Konzert aller Zeiten – und das einzige: Le Volksbüro spielen sowohl die Spätpunks Schweiger Hinten, als auch die angetretenen  türkischen Früh-Hip-Hopper an die Wand.  Und lösen sich danach auf. Das ist das Ende von LeVolksbüro.

Letzte Worte

Kid G. und Joe gründen unmittelbar danach mit Ralf Something To Burn. 2001 erscheint bei Empty-Records Pattes Solo-Projekt “Lonesome Reunion” als MP3-Download.

Quelle: volksbuero.eu

  • Kid G.: Naja, Le Volksbüro war ja nicht meine erste Band, die was mit Punk zu tun hatte. 1976 hatte ich ne Schülerband, wir haben Sachen wie Status Quo und Johnny Cash nachgespielt und ab und zu eigene Sachen komponiert. 1977 auf unserer Silvester-Bandfeier lief die „Never Mind The Bullocks“ – da haben wir dann „Holidays in the Sun“ nachgespielt. Später hat mir dann der Patte Cassetten mit amerikanischem Hardcore und Industrial mitgebracht, sowas wollten wir selber machen. Da haben wir dann die ersten Sachen zu zweit auf einem 4-Spur-Fostex-Taperecorder produziert, später dann Joe als Basser und nen Schlagzeuger dazugeholt, das war dann Le Volksbüro.

    Patte: Als Anfang der 80er die Musikszene mit immer mehr Nena-, Extrabreit- und Hubert-Kah-Kaspern kommerzialisiert wurde blieb mir als einziger Ausweg der Punk. Soundtracks zum Untergang I. war mein erstes Tape; ich habe es rauf und runter gehört. Coole politische Haltung! Kurz danach kam ich zum US Punk, The Lewd, Butthole Surfers und so. Bis heute…

  • Kid G.: Mit der völligen Ablehnung der bürgerlichen Gesellschaft. Spießertum, Markenklamotten, Leistungs- und Besitzwahn, die ganze Scheiße, da mach ich nicht mit. Okay, ich hab nen Job, damit ich im Warmen sitzen und meine Musik hören kann, und ich zahl Steuern, damit das alles nicht zu stressig wird. Aber ich arbeite sowenig wie möglich und hab nen coolen Job, wo ich meine Chefs immer mal wieder mit crazy Ideen provozieren kann.

    Patte: Ich trinke immer noch bevorzugt Dosenbier.

  • Kid G.: Wir sind ja über ganz Deutschland verstreut, also wer weiß, was die anderen machen. Mich am Computer, oder wenn was Gutes läuft in der Hamburger Astra-Stube.

    Patte: Diese Frage ist der Grund weshalb ich bis heute kein Handy habe.

  • Kid G.: Unser erstes und zugleich letztes Livekonzert. Wir haben an Silvester zusammen mit Schweiger Hinten im Fürther Lindenhain gespielt. Wir zuerst, das lief eigentlich ganz gut. Dann haben wir ein bisschen gesoffen, während eine Hip-Hop-Gruppe eine Zwischeneinlage gebracht hat. Da war ich dann schon ziemlich drauf und bin einfach mit meiner Gitarre auf die Bühne und hab ein paar harte Riffs dazwischen geknallt, so „Walk-this-way“-mäßig. Kam wohl nicht so gut an. Wie Schweiger gespielt haben, weiß ich nicht mehr. Jedenfalls haben wir uns danach aufgelöst. Warum eigentlich? Patte hatte wohl keine Lust mehr, auf einer Bühne zu stehen, aber vielleicht war das auch eine Ausrede.

    Patte: Anstatt Katastrophen, lieber einer der besten Momente. Bei einer Übungsraum Session habe ich auf dem Multieffektgerät spaßweise versucht alle 10 Schalter gleichzeitig einzurasten. Darauf schlich sich eine unglaubliche Soundschleife in unseren Sound, stetig steigernd; wir spielten mehrere Minuten weiter bis es keiner mehr aushielt. Das war eines der psychedelischten Musikerlebnisse meines Lebens.

  • Kid G.: Besserers Bier als in allen sonstigen Punk-Scenes.

    Patte: Keine Ahnung, sag’s du mir!

Le Volksbüro - Toxic Boy