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Wer

Jörg W.

Gastautor u.a.
Flocky

Wann

1984 – 1985

Wo

Fürth

Aus dem Vorwort der Nr. 1

Endlich ist es geschafft. Das erste Statussymbol ist da.Dank der vielen freiwilligen und unfreiwilligen Mitarbeiter gibt es jetzt endlich ein Fanzine aus Fürth, der kleineren aber schöneren Schwester Nürnbergs.

Eigentlich sollte das Heft ja unter dem Namen “Alles Lüge” zusammen mit dem jetzigen Absurd-Fanzine erscheinen, aber dann trennte man sich aus Gründen, die niemanden aus uns was angeht. Bald gibt´s also auch Absurd Nr. 1 (macht mal zu ihr Schnecken)!

Ich hoffe das Lesen macht euch genauso viel Spaß wie mir das Tippen keinen Spaß gemacht hat.

  • Meine erste Punk-Platte war Opel-Gang von den Toten Hosen. Die war damals im Plattenladen bei “Neue Deutsche Welle” eingeordnet und ich bin zufällig drüber gestolpert. Dann habe ich mehr davon hören wollen. Vor allem Slime aus Hamburg hatte es mir angetan. Die Wut auf das Spießertum in der Schule, gegen Nazis, Kohl… Also zuerst über die Musik, dann über Freunde und Mitschüler/innen.

  • Die doch eher blinde und chaotische Rebellion des Punk war mir irgendwann Ende der 1980-er Jahre zu wenig, ziellos und ohne Perspektive. Wir haben ja eine zeitlang Konzerte organisiert, z.B. mit den Mimmis (Bremen) im Lindenhain oder auch Mogelmänner (Erlangen).

    In der Zeit kamen auch die Republikaner auf und wir haben mehr antifaschistische Sachen gemacht. Einige wurden politischer und revolutionär. Ich schloss mich dem Jugendverband der Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands (MLPD) an. Die Welt wirklich revolutionär zu verändern wurde mir wichtiger als destruktiv bei “No Future” stehen zu bleiben oder sich eine Nische im System zu suchen. Wenn man unter Punk Rebellion versteht, lebe ich sie heute konsequenter, revolutionärer in der MLPD. Aber mit dem klassischen anarchistischen Lebensgefühl des Punk habe ich gebrochen. Treu geblieben bin ich der Zeitungsarbeit. Ich leite die Redaktion des “Rote Fahne”-Magazins und des Online-Nachrichten-Portals Rote Fahne News.

  • Da muss man erstmal weit fahren ins Ruhrgebiet. Wenn das Kleeblatt hier in der Gegend spielt, z.B. Bochum, Düsseldorf oder so trifft man mich im Fürther Block. Der ist so überschaubar, dass man sich dort auf jeden Fall treffen kann. Demonstrationen sind auch immer eine gute Gelegenheit – zuletzt z.B. gegen die AfD in Köln. Am Infostand der MLPD im Stadtteil oder beim Kampfsport Training. Wenn möglich gehe ich auch zu Konzerten, demnächst Kitty in a Casket oder Sachen wie NH3 aus Italien. Nächstes Pfingsten wieder in der Nachbarschaft von Franken beim “Rebellischen Musikfestival” in Thüringen.

  • An eine Katastrophe als Fanziner kann ich mich nicht errinnern, aber an eine sehr witzige Sache, mit dem allseits beliebten bayerischen Unterstützungskommando USK. Diese übrigens bis ins Ruhrgebiet berüchtigte Schlägertruppe der bayerischen Polizei war gerade neu aufgestellt worden. Eine ihrer ersten Aufgaben war eine Veranstaltungen des ehemaligen SS-Manns und REP-Chefs Franz Schönhuber zu schützen. Großmäulig hatte ihr Oberguru via Fürther Nachrichten angekündigt, dass kein Protestierer in die Nähe der Stadthalle in Fürth käme. Leider war die Truppe ortsunkundig – im Gegensatz zu den vielen Dutzenden Jugendlichen, darunter auch einige Punks. Am Ende hatte das USK seine liebe Mühe eine 1-Meter-breite Gasse für die Nazis frei zu halten und keiner von denen kam unbespuckt und unangepöbelt in die Halle. Eine schöne Geschichte, die nicht vergessen werden sollte. Eine Katastrophe für das USK!

  • Der fränkische Punk, so wie ich ihn erlebt habe, war immer auch etwas gemütlich, net so verbissen oder aggressiv nach außen. Ein schöner Biergarten gehörte da auch zum Lebensgefühl.